Vor nicht allzu langer Zeit schien es fast unmöglich, mittlerweile ist es keine Seltenheit mehr: Eine Schwangerschaft mit über 40. Die Zahl der Babys, die von Müttern in diesem Alter geboren werden, steigt in Deutschland kontinuierlich an. Immer mehr Twenty- und Thirtysomethings entscheiden sich ganz bewusst dafür, die Familiengründung noch eine Weile aufzuschieben.
Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig: Viele Frauen möchten beispielsweise zuerst gefestigt im Berufsleben stehen oder finanzielle Sicherheit schaffen, bevor sie ihr erstes Kind bekommen. Vor allem diejenigen, die sich für die Absolvierung eines Studiums entscheiden, schieben den Kinderwunsch häufig für eine gewisse Zeit nach hinten. Sie möchten erst mal einen Abschluss erreichen und sich danach auf ihre Karriere konzentrieren. Sobald berufliche Ziele, Erfahrungen und materielle Sicherheit erreicht sind, rückt die Familiengründung in den Fokus. Andere möchten auf den richtigen Partner warten oder sich zuerst ein paar persönliche Wünsche erfüllen.
Die Freiheit, den Zeitpunkt der Familiengründung selbst zu wählen, haben viele Frauen über 40 den Errungenschaften der modernen Reproduktionsmedizin zu verdanken. Heute stehen nämlich Behandlungsverfahren zur Verfügung, die zur Verlängerung der weiblichen Fruchtbarkeit beitragen können. Somit erhalten auch Patientinnen, die aufgrund ihres Alters auf natürlichem Weg nicht mehr oder nur schwerlich schwanger werden können, die Chance, ein Kind auszutragen. Frauen müssen sich daher nicht zwangsläufig zwischen Kind und Karriere entscheiden; heutzutage ist meist beides möglich.
Einfluss des Alters auf die Fruchtbarkeit
Doch woran liegt es eigentlich, dass sich der Kinderwunsch in diesem Alter nicht immer auf natürlichem Weg verwirklichen lässt? Grundsätzlich ist es nicht ausgeschlossen, dass Frauen über 40 schwanger werden. Allerdings sinken die Chancen auf eine Schwangerschaft ab einem bestimmten Alter rapide. Das liegt daran, dass die Zahl der vorhandenen Eizellen (Oozyten) in den Eierstöcken einer Frau im Laufe des Lebens kontinuierlich abnimmt. Über wie viele Eizellen eine Frau verfügt, steht schon bei ihrer Geburt fest. Wenn sie das Licht der Welt erblickt, sind im Durchschnitt zwei bis drei Millionen Exemplare vorhanden, die in sogenannten Follikeln (Eibläschen) heranreifen.
Von diesem Moment an sinkt diese Zahl allerdings stetig. Zudem nimmt die Qualität der Eizellen mit zunehmendem Alter ab. Die Chance auf Nachwuchs wird somit im Laufe des Lebens immer geringer. Bei Frauen über 40 ist die ovarielle Reserve daher in der Regel bereits sehr niedrig. Die Ärzte des IVF Baden-Baden schätzen, dass die Schwangerschaftsrate bei 40-jährigen Patientinnen nur 5 bis 15 Prozent beträgt. Zwischen dem 45. und 50. Lebensjahr sind die Follikel in der Regel aufgebraucht. Die dann einsetzenden Wechseljahre beenden schließlich die fruchtbare Lebensphase einer Frau.
Das heißt jedoch nicht, dass Frauen über 40 ihren Kinderwunsch aufgeben müssen, wenn es nicht sofort klappt: In vielen Fällen, in denen das Alter für einen unerfüllten Kinderwunsch verantwortlich ist, bietet die Reproduktionsmedizin eine Vielzahl von Behandlungsoptionen. Im IVF Baden-Baden betreuen unsere Ärzte fast täglich Frauen dieser Altersgruppe. Rund 40 Prozent unserer Patientinnen sind über 40 Jahre jung.
Wie groß die Eizellreserve einer Frau ist, lässt sich ganz einfach feststellen: Zuerst wird die Konzentration des Anti-Müller-Hormons (AMH) im Blut bestimmt. Danach folgt eine transvaginale Ultraschalluntersuchung, bei der die vorhandenen Antralfollikel in den Eierstöcken gezählt werden.
Zur Verfügung stehende Kinderwunschbehandlungen
Ist die Eizellreserve für einen unerfüllten Kinderwunsch verantwortlich, stehen verschiedene Behandlungsoptionen zur Auswahl. Unter bestimmten Umständen kann zum Beispiel eine klassische In-vitro-Fertilisation infrage kommen. Hierbei handelt es sich um eine Technik der künstlichen Befruchtung, bei der Eizellen aus den Eierstöcken einer Frau entnommen und im Labor – also außerhalb ihres Körpers – mit den Spermien des Partners befruchtet werden. Vor der Befruchtung können Embryologen oder Embryologinnen die qualitativ hochwertigsten Eizellen auswählen und die Chancen auf eine Schwangerschaft dadurch zusätzlich erhöhen. Die ausgesuchten Oozyten werden dann zusammen mit einem Tropfen Samenflüssigkeit in einer Petrischale platziert. Ohne außenstehende Hilfe befruchten die enthaltenen Spermien anschließend die Eizellen.
Falls beim Mann ein altersbedingter Fruchtbarkeitsverlust festgestellt wird, kann manchmal auch eine intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) eine Option darstellen. Dabei werden Spermien mittels Mikroinjektion in das Zytoplasma der Eizelle injiziert, um eine Befruchtung zu erreichen.
Fruchtbarkeit durch Kryokonservierung verlängern
Frauen, die schon frühzeitig wissen, dass sie erst nach ihrem 40. Geburtstag eine Familie gründen möchten, haben aber auch die Möglichkeit, vorzubeugen: Mithilfe der Kryokonservierung lässt sich die Fruchtbarkeit in vielen Fällen verlängern. Es handelt sich dabei um ein Verfahren, bei dem Reproduktionsspezialisten Eizellen aus den Eierstöcken entnehmen und anschließend einfrieren. Wenn die Frauen einige Jahre später für eine Familiengründung bereit sind, können die Oozyten aufgetaut, im Labor mit Spermien befruchtet und in die Gebärmutter übertragen werden. Auf diese Weise lässt sich der durch die biologische Uhr verursachte Druck deutlich verringern.
Das Verfahren sollte aber nur dann durchgeführt werden, wenn die Eizellen der betreffenden Patientin eine möglichst hohe Qualität aufweisen. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert, die Kryokonservierung zwischen dem 20. und dem 30. Lebensjahr durchführen zu lassen.
Follikelproduktion mithilfe der Eierstockverjüngung anregen
Eine relativ neue Behandlungsmethode stellt die Eierstockverjüngung dar. Bei dieser risikoarmen Technik wird plättchenreiches Blutplasma eingesetzt, um die Follikelproduktion anzuregen. Ziel ist es, Frauen mit eingeschränkter ovarieller Reserve die Chance zu geben, ihr Reproduktionspotenzial zu erweitern und eine Schwangerschaft mit eigenen Eizellen zu erreichen.
In einem ersten Schritt wird eine Blutprobe entnommen, aus der anschließend plättchenreiches Plasma (PRP) gewonnen wird. Anschließend aktivieren Reproduktionsmediziner darin enthaltene Wachstumsfaktoren und Botenstoffe. Das PRP kann dann unter Narkose in die Eierstöcke injiziert werden. Durch seine regenerative Wirkung soll das Plasma dort schließlich zu einer Regeneration der ovariellen Reservemarker beitragen.
Den richtigen Zeitpunkt für die Familiengründung selbst bestimmen
Die oben genannten Verfahren haben bereits zahlreichen Frauen, die aufgrund einer altersbedingten Unfruchtbarkeit nicht auf natürlichem Weg schwanger werden konnten, doch noch zu einem Baby verholfen. Da die Reproduktionsmedizin die Fruchtbarkeit in vielen Fällen verlängern kann, besteht die Möglichkeit, das eigene Leben individuell zu planen und zu gestalten. So können viele Frauen den richtigen Zeitpunkt für eine Schwangerschaft selbst bestimmen, ohne ständig von der biologischen Uhr unter Druck gesetzt zu werden.
Sie haben weitere Fragen? Im Rahmen eines unverbindlichen Beratungsgespräches informiert Sie das Team des IVF Baden-Baden gerne über zur Verfügung stehende Diagnose- und Behandlungsverfahren für über 40-jährige Patientinnen. Vereinbaren Sie einfach einen Termin unter der Telefonnummer 0172 7122573 oder über unser Kontaktformular.
