Manchmal kommt es vor, dass eine künstliche Befruchtung trotz hoher Eizell- und Spermienqualität fehlschlägt, weil sich der transferierte Embryo nicht einnisten kann. Lassen sich keine offenkundigen Ursachen ausmachen, könnte das Assisted Hatching eine Option darstellen. Dieses reproduktionsmedizinische Verfahren wird angewendet, um eine verdickte Zona pellucida zu öffnen und dem Embryo auf diese Weise das Schlüpfen zu erleichtern. Wie es funktioniert und wann es eingesetzt wird, haben wir im Folgenden für Sie zusammengefasst.
Was ist die Zona pellucida?
Bei der Zona pellucida handelt es sich um die äußere Schicht des Embryos. Diese Membran hat unter anderem die Aufgabe, das Eindringen mehrerer Spermien in die Eizelle und das vorzeitige Einnisten in der Gebärmutter zu verhindern. Zudem kontrolliert die Zona pellucida die ersten Zellteilungen, indem sie dafür sorgt, dass die Zellen bis zum vierten Entwicklungstag zusammenbleiben.
Zwischen dem fünften und siebten Tag der Entwicklung löst sich der Embryo normalerweise aus dieser Schicht, um sich in der Gebärmutterschleimhaut einzunisten.
Wie kann sich der Embryo von der Zona pellucida lösen?
Das sogenannte Hatching (Schlüpfen) beschreibt einen Prozess, bei dem es dem Embryo am 5. oder 6. Entwicklungstag (Blastozyste) gelingt, sich aus der Zona pellucida zu befreien. Anschließend kann die Einnistung in die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) erfolgen, mit der die Schwangerschaft beginnt.
Doch wie schafft es der Embryo, aus eigener Kraft aus dieser Schutzschicht auszutreten? Ganz einfach: Er übt von innen Druck aus, um die Zona pellucida einzureißen. Um dieses Ziel zu erreichen, bildet der Embryo die sogenannte Blastozystenhöhle, von der sich der Name Blastozyste ableitet. Dieser Hohlraum füllt sich mit Flüssigkeit, dehnt sich aus und übt auf diese Weise Druck auf die Zona pellucida aus, bis sie reißt. Der Embryo kann dann austreten und sich in der Gebärmutter einnisten.
Bei einigen Frauen ist diese Schicht jedoch sehr hart und verhindert, dass der Embryo von selbst schlüpfen kann.
Wie läuft der Schlüpfprozess ab?
Der Schlüpfprozess lässt sich in verschiedene Phasen einteilen. Dabei spielen Faktoren wie der Entwicklungstag, der Zustand der Zona pellucida und das Erscheinungsbild des Embryos eine Rolle.
Letztlich können drei Stadien ausgemacht werden:
- Expandierte Blastozyste: Der Embryo ist groß und die Zona pellucida ist dünn.
- Schlüpfende Blastozyste (Hatching): Die Zona pellucida ist durchgebrochen und der Embryo tritt aus.
- Geschlüpfte Blastozyste (Hatched): Der Embryo hat sich bereits vollständig von der Zona pellucida gelöst.
Was passiert beim Assisted Hatching?
Bei einer In-vitro-Fertilisation werden Eizellen aus den Eierstöcken der Patientin entnommen und im Labor mit den Spermien des Mannes befruchtet, sodass ein Embryo entstehen kann. Circa fünf bis sechs Tage später erfolgt der Transfer in die Gebärmutter. Dort kann sich der Embryo dann von seiner Hülle lösen.
Ist die Zona pellucida zu dick, wird das Assisted Hatching eingesetzt. Bei dieser Labortechnik handelt es sich um eine Ergänzung zur In-vitro-Fertilisation. Ziel ist es, die Embryohülle vor dem Transfer in die Gebärmutter zu perforieren oder ein winziges Loch zu erzeugen, um die Einnistung zu erleichtern. Dieses Verfahren kann auch im Rahmen der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) durchgeführt werden, um die Spermien in die Eizelle zu injizieren.
Das Assisted Hatching wird in der Regel am dritten Tag nach der Befruchtung durchgeführt, wenn der Embryo über circa acht Zellen verfügt und noch nicht gewachsen ist.
Dabei können Embryologen und Embryologinnen eine von drei verschiedenen Techniken anwenden:
- Schlüpfhilfe durch Enzymlösung: Durch das Auftragen einer Enzymlösung auf die Zona pellucida entsteht eine Öffnung.
- Manuelle Schlüpfhilfe: Die Zona pellucida wird mithilfe einer kleinen Nadel durchstochen. Durch Reibung mit der Pipette entsteht eine Öffnung. Da hierbei das Risiko besteht, dass der Embryo beschädigt wird, kommt diese Technik nur selten zur Anwendung.
- Schlüpfhilfe mittels Lasertechnik: Im IVF Baden-Baden setzen wir in den meisten Fällen auf die Lasertechnik. Diese bietet beim Perforieren mehr Sicherheit als die anderen Verfahren, da hierbei nur wenige Mikroimpulse eines Lasers benötigt werden.
In allen drei Fällen muss ein inverses Mikroskop mit angeschlossenem Mikromanipulationssystem zur Verfügung stehen, um den Eingriff mit Präzision und Sorgfalt durchführen zu können.
Wann kommt das Assisted Hatching infrage?
Das Assisted Hatching wird nicht bei allen Patientinnen durchgeführt, sondern nur in bestimmten Fällen empfohlen, damit der Embryo nicht grundlos belastet wird. Daher sollte stets eine umfassende Untersuchung erfolgen, um feststellen zu können, ob die Schlüpfhilfe wirklich notwendig ist.
Das Assisted Hatching kann beispielsweise infrage kommen, wenn
- die Patientin über 37 Jahre alt ist.
- Embryonen mit dicker, dunkler Zona pellucida oder mit anderen Veränderungen erkannt werden.
- sich Embryonen nur langsam entwickeln oder eine irreguläre Teilung erkennbar ist.
- zuvor Implantationsfehler aufgetreten sind.
- ein kryokonservierter Embryotransfer durchgeführt wird, da die Zona pellucida in vielen Fällen dazu neigt, sich zu verhärten.
Um herauszufinden, ob das Assisted Hatching notwendig ist, werden im IVF Baden-Baden sowohl der Embryo als auch die jeweilige Patientin gründlich untersucht. Im Labor können unsere Embryologen und Embryologinnen auf innovative Geräte und auf ihren breiten Erfahrungsschatz zurückgreifen. Zudem stehen unseren Ärzten und Ärztinnen moderne Diagnoseverfahren zur Verfügung, mit deren Hilfe andere Ursachen für ein Implantationsversagen ausgeschlossen werden können.
Sollte eine Einnistung nicht gelingen, müssen Patientinnen ihren Kinderwunsch also nicht sofort aufgeben. In vielen Fällen kann das Assisted Hatching die Chance erhöhen, doch noch schwanger zu werden.
Sie möchten mehr über das Assisted Hatching erfahren? Im Rahmen eines unverbindlichen Beratungsgespräches beantworten wir gerne Ihre Fragen und versorgen Sie mit allen wichtigen Informationen. Vereinbaren Sie einen Termin unter der Telefonnummer 07221 7021701 oder über unser Kontaktformular.
